Die Erschaffung Tamelorns liegt im Nebel der Äonen verborgen. Jede Kultur und Religion hat ihre eigene Version von der Schöpfung, von denen einige nun im Folgenden erzählt werden sollen.
Astarische Schöpfung:
Mit der weiten Verbreitung der astarischen Kirche im Dreifachen Land hat auch die Geschichte von der Erschaffung der Welt durch Astar und Laruhl eine große Zahl Anhänger gefunden und wurde somit für die meisten Menschen des Dreifachen Landes die eigentliche Schöpfungsgeschichte:
„Es kann nicht sein, was nicht ist, also war das Nichts nicht mehr. Und so entstanden mit lautem Donner der Kosmos und die Zeit, das Licht und der Schatten, und es erwachten inmitten des ungeordneten wirbelnden Seins zu Anbeginn der Zeit Astar und Laruhl, das Gute und das Böse, die Urkräfte und Schöpfer von Allem.
Sie stellten sich hinaus in das Meer der Nacht und trennten aus den Urkräften des Kosmos die Erde von der Luft, das Feuer vom Wasser und bestimmten, das der Argistron, der Strom der Zeit, nur in eine Richtung fließe.
Ordnung wurde in die wirbelnden Kräfte des Chaos gebracht, und aus dieser Ordnung erwuchs Tamelorn, das Dreifache Land. Ebenen und Berge erhoben sich mit Feuer aus den Meeren, und die Feuer warfen Luft und Wolken in den Himmel. Doch die frühe Welt war noch ungeformt, und kein Leben bevölkerte die Weiten der Länder, die Tiefen der Meere und die Höhen der Lüfte.
Und schließlich kam es, dass Astar und Laruhl sich uneins waren, wie die lebenden Geschöpfe, von den Gräsern, Bäumen und Kriechtieren bis hin zu den großen Völkern zu sein haben. Denn Astar erdachte sie sich frei und in Harmonie mit der Welt, in der sie lebten, während Laruhl sie sich zu Knechten von Knechten, zu Unterworfenen und Unterwerfern erschaffen wollte.
Also trennten sie sich das erste Mal seit dem Anbeginn, erschufen ihre Gefilde und nahmen sie sich als Heim. Astar setzte den Himmel über Tamelorn, und dort, am höchsten Orte, saß er im Licht, inmitten von Frieden und Harmonie, und ersann seine Ordnung der Dinge. Laruhl hingegen fuhr tief unter die Welt, wo die Schatten noch zahlreich und die Feuer ungestüm waren und erschuf sich die Hölle. Und hier brütete er, wie die Welt nach seinem dunklen Sinnen zu sein habe. Äonen waren sie getrennt voneinander.
Als sie schließlich im Meer der Nacht, weit über der Welt, wieder zusammen trafen, und erkannten, das es keine Einigkeit zwischen ihnen gab, schwang Laruhl sein Schwert Dys, das schwarze, brennende Höllenschwert, welches er tief in den Feuern seines Reiches geschmiedet hatte, um Astar zu erschlagen. Und Astar griff nach seinem Reich, um aus dessen Gewebe Ias zu erschaffen, das silberne, strahlende Himmelsschwert, und er wehrte Laruhls Hieb ab.
Als die Schwerter das erste Mal aufeinander trafen, stoben Funken in alle Richtungen. Sie fielen ins Meer der Nacht, und sehet, es waren die Sterne geschaffen, doch ohne das Wirken großer Taten standen sie noch nicht in Bezug zueinander und waren ungeordnet. Und die Funken, die auf Tamelorn fielen, wurden zu den leuchtenden Gemmen und den schillernden Erzen und sanken tief hinab in die Erde.
Wieder schwangen Astar und Laruhl ihre Schwerter, und als sie das zweite Mal zusammen prallten, regneten unzählige Funken auf die Welt hinab. Und es wurden geboren die Gräser und die Bäume, und in der Erde die Kriechtiere, und im Wasser die Fische und in den Lüften die Vögel und alle Tiere, die in den weiten Landen fortan weilten.
Dann, als ihre Schwerter das dritte Mal aufeinander prallten, mit noch mehr Kraft als zuvor, und größere Funken herabfielen, waren die großen Völker geschaffen. Aus den zahlreichsten der Funken wurden die Menschen, und fortan sollten sie alle Weiten der Welt bewohnen. Und aus den strahlensten Funken wurde das edle Geschlecht der Avelar, doch so hell war ihr Licht, dass sie selbst nicht sahen, wie sie entstanden, und sie bewohnten ab dann die Wälder der Welt. Die tapferen Draugar waren aus den härtesten der Funken erschaffen, und es zog sie tief hinab in die Berge, wo sie Höhlen und Tunnel gruben. Und aus den ungestümsten Funken wurden die Marrog, die sich die weiten Steppen und Ebenen als Heim nahmen, und mit ihnen die Trolle und Tauren und alle weiteren unzähligen Hordlinge der Welt.
Als Ias und Dys schließlich das vierte Mal zusammenstießen war dies von solcher Wucht, dass sie in Myriaden Teile zerbrachen, und Splitter und Funken aller Art auf die Welt herabregneten. Und anders als vorher war in dem Entstandenen nun nicht immer Gut und Böse im Gleichgewicht. So entstanden schließlich die Urtümer und die Absonderlichen, die Drachen und die Titanen, die Wunderwesen und die Scheusale der Welt.
Und Astar und Laruhl sahen, was sie erschaffen. Also sprachen sie: „So sei es!“
Zusammen stellten sie dem Leben den Tod entgegen, so dass alles sterbliche Sterben muss, damit es gerichtet wird und nicht im Überfluss existiere, und kehrten für lange Zeit in ihre Reiche zurück.“
Sanctum 1.1
Abschrift aus den Annalen des St. Alsa,
Dom des Lichts, 183 ZI zu Protaria.









